Die Ebbergkirche in Hemer Die Orgeln der Ebbergkirche

In den Jahren 1977 bis 1978 erbaute die Firma Detlef Kleuker (Bielefeld-Brackwede) eine Orgel für die Ebbergkirche, nachdem das vorhandene Instrument unbrauchbar geworden war.

Mit erheblicher finanzieller Unterstützung durch das Ehepaar Friedrich und Ruth Grohe entstand ein Instrument mit 18 Registern, die sich auf das Hauptwerk, ein Schwellwerk und das Pedal verteilen.

Die Disposition:

Hauptwerk
  1. Prinzipal 8'
  2. Spitzflöte 8'
  3. Oktave 4'
  4. Waldflöte 2'
  5. Mixtur 5fach
  6. Trompete 8'
Schwellwerk
  1. Metallgedackt 8'
  2. Rohrflöte 4'
  3. Prinzipal 2'
  4. Quinte 1 1/3'
  5. Sesquialtera 2fach
  6. Scharff 4fach
  7. Dulcian 16'
Pedal
  1. Subbaß 16'
  2. Prinzipalflöte 8'
  3. Choralbaß 4'
  4. Rauschpfeife 3fach
  5. Fagott 16'

Die Orgel besitzt eine mechanische Spieltraktur und eine elektrische Registertraktur. Ein Tremulant für das Schwellwerk ist vorhanden. Als Spielhilfen stehen drei freie Kombinationen, eine feste Kombination (Plenum) sowie die Normalkoppeln (II/I, I/P, II/P), ein Zungen- und ein Generalabsteller zur Verfügung. Einige dieser Funktionen sind auch über Fußtritte (Pistons) anwählbar.


Prospekt der Kleuker-Orgel Ende 2010 Der Spieltisch Ende 2010
Die Kleuker-Orgel (nach dem Umbau der Ebbergkirche, Ende 2010)
Orgelprospekt Anfang 2010
Die Kleuker-Orgel (vor dem Umbau der Ebbergkirche, Anfang 2010)
Spieltisch Pedal und Spielhilfen
Der Spieltisch Pedal, Schwelltritt und Pistons
Schwellwerk Registrieranlage
Einblick ins Schwellwerk Register- und Setzeranlage



In der Festschrift zum 175-jährigem Bestehen der Ebbergkirche 1995 findet sich ein Bericht über die Kleuker-Orgel.




Die Truhenorgel in der Ebbergkirche

Die Firma Albers und Wiggering lieferte Dezember 2003 nach tatkräftiger Unterstützung insbesondere des Fördervereines aber auch zahlreicher Musikfreunde eine transportable Truhenorgel mit drei Registern (8', 4' 2'); die Winderzeugung befindet sich in der Sitzbank.

Truhenorgel von Albers und Wiggering



Umbau der Ebbergkirche 2010

Anfang Januar begannen die Umbaumaßnahmen der Ebbergkirche. Diese erforderten auch den Abbau der Kleuker-Orgel.

Ebbergkirche im Umbau

Am 18. Januar 2010 begann die Demontage des Instruments. Beauftragt damit war die Firma Karl Schuke Orgelbau Berlin, die auch schon den Umzug der Schuke-Orgel aus der Thomaskirche in die Christuskirche durchgeführt hat.

Karl Schuke Orgelbau Berlin demontiert die Kleuker-Orgel


Über ein Gerüst wurde die Orgel zugänglich gemacht und systematisch zerlegt.

Demontage der Orgel


Zuerst wurden inbesondere die Orgelpfeifen ausgebaut, beschriftet und zwischengelagert.

Demontierte Holzgedacktpfeifen

Die Metallpfeifen lagern zum Abtransport; Foto: K. Johanning

Die empfindlichen Metallpfeifen mussten transportsicher verpackt werden. Später wurden die Orgelteile und -pfeifen zur Reinigung und Instandsetzung mit einer Spedition in die Orgelbauwerkstatt nach Berlin gebracht.

Zum Schutz der Pfeifen werden diese sorgfältig verpackt ... ... und beschriftet


Hier einige Details aus dem sonst eher schlecht zugänglichen Innenleben des Instruments.

Ein elektrisches Gebläse erzeugt den "Orgelwind", die Luft, die später die Pfeifen zum Klingen bringt. Hier sieht man die Windzufuhr zu einem Vorratsbalg, der den Wind "zwischengespeichert", um eine gleichmäßige Zufuhr zu den Pfeifen zu gewährleisten.

Windversorgung und Vorratsbalg

Wird eine Taste betätigt, wird über die Traktur das unter den Pfeifen befindliche Ventil geöffnet. Eine Traktur besteht aus einem System von Achsen und Winkeln, die den Tastendruck mechanisch weiterleiten.

Traktur Wellenbrett

Die verschiedenen Klangfarben einer Orgel werden durch zahlreiche unterschiedliche Register erzeugt. Register sind Orgelpfeifenreihen mit gleichem Aufbau und gleicher Klangfarbe. Das Ein- und Ausschalten der Register erfolgt über Schleifladen (gewissermaßen Ventile für ein ganzes Register), die durch starke Elektromagnete/-motoren bewegt werden. Die Registersteuerung ermöglicht, dass die Klangfarben der unterschiedlichen Pfeifenreihen nach Bedarf kombiniert werden können.

Elektrische Registertraktur; Foto: K. Johanning

Elektrischer Schleifenantrieb

So können beim Drücken einer einzelnen Taste beispielsweise eine größere Zahl von Pfeifen gleichzeitig erklingen, was die Grundlage für einen entsprechend gewaltigen Orgelklang ist.

Eine genauere Beschreibung der Funktionsweise einer Orgel gibt es z. B. bei http://www.de.wikipedia.org/wiki/Orgel, eine Beschreibung über den Bau einer Orgel ist z. B. bei http://www.die-orgelseite.de/orgelbau.htm zu lesen.


Drei Wochen vor der Wiedereröffnung der Ebbergkirche am 1. Advent (28.11.2010) gab es an der Emporenwand nur eine Öffnung für die Kleuker-Orgel. Ab Mitte November standen dann die ersten Teile der Orgel wieder im Kirchengebäude.

Nische für die Kleuker-Orgel

"Gefühlte eine Million Teile", so einer der Mitarbeiter der Orgelbaufirma Schuke, mussten in einem gigantischen 3-D-Puzzle wieder zu einer Orgel zusammengesetzt werden. Dank sorgfältiger Beschriftung und vorheriger ausführlicher Fotodokumentation und natürlich durch entsprechende Erfahrung fügten sich die Einzelteile des Instrumentes wieder zusammen.

Die Orgelbauer sind wieder da Stillleben
Der Orgelaufbau hat begonnen

Pfeifenbänke ... ... und Gehäuseteile
Pfeifenbänke, Windladenteile, Gehäusebretter

Die Orgel steht schon ... ... eine Hauptwerkwindlade wird gereinigt, ...
Aufbau des Gehäuses (li.) und Reinigung einer Hauptwerkwindlade (re.)

... der Spieltisch ... ... lässt tief blicken
Ein Teil der Spieltischmechanik

Nun erfolgte noch die Lackierung des Orgelgehäuses passend zum Kirchengebäude. Danach konnten die meisten Pfeifen wieder an ihren angestammten Platz. Einige der großen Prospektpfeifen mussten nachgearbeitet werden, da sie durch ihr eigenes Gewicht am Pfeifenfuß etwas eingesunken waren.

Die Orgel ganz in weiß ... Schwellwerk, zum Teil schon mit Pfeifen bestückt
Das Orgelgehäuse, nun in weiß

Der veränderte Kirchenraum, aber auch die bisher etwas höhere Stimmung des Instrumentes erforderten eine Neuintonation der Pfeifen. Dazu wurde jede einzelne Orgelpfeife klanglich und lautstärkemäßig angepasst und in der Tonhöhe gestimmt. Wegen dieser sehr zeitaufwändigen Arbeit konnte die Orgel zur Wiedereröffnung der Ebberkirche und zum Adventkonzert noch nicht spielbereit sein.

Die Intonateure bei der Arbeit Alle Pfeifen werden gestimmt Pfeifenwerk mit Stimmrollen
Die Intonateure bei der Arbeit; jede Pfeife wird in Tonhöhe, Lautstärke und Klang angepasst


Stimmhorn ... ... im Einsatz
Stimmhorn (li.), mit dem durch Erweitern oder Verkleinern der oberen Pfeifenöffnung die Tonhöhe verändert werden kann;
bei Pfeifen mit Stimmrollen auch durch Bewegen der Rolle (re.)


Blick aus dem Orgelgehäuse ... ... in den Kirchenraum
Blick aus dem Orgelinneren in den Kirchenraum

Die Orgel ist jetzt eingeschränkt spielbar - die letzten Arbeiten werden allerdings noch im Januar 2011 erfolgen.

Der Iserlohner Kreisanzeiger berichtete an Heiligabend 2010 über den Wiederaufbau der Orgel:

IKZ, 24.12.2010



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